MITFREUDE

Es gibt diese Momente im Teamsport,
die kaum jemand laut ausspricht.
Ich kenne sie.

Du sitzt auf der Ersatzbank.
Das Spiel läuft.
Die anderen sind auf dem Feld.
Du klatschst.
Du lächelst.

Aber innen zieht es.
Ein leiser Vergleich.
Ein Gedanke wie:
Warum nicht ich?
Warum heute wieder nur zuschauen?

Und manchmal steckt darunter noch etwas anderes:
Dieses Gefühl, plötzlich weniger wert zu sein.

Ich glaube, das ist kein Zufall.
Wir wachsen in einer Welt auf,
in der Wert oft an Leistung geknüpft ist.

In der Schule zählt, wer schnell versteht.
Wer viel weiß.
Wer gut abliefert.

Nicht unbedingt der, der den Klassenraum wärmer macht.
Nicht der, der verbindet.
Nicht der, der zuhört.

Zur Abschlussprüfung zugelassen wird nicht der Mensch,
der sich liebevoll um das Miteinander kümmert –
sondern der, der möglichst viel richtig wiedergeben kann.

Und so lernen wir früh:
Ich bin mehr, wenn ich etwas leiste.
Ich bin weniger, wenn ich still bin.

Vielleicht ist es genau dieses Lernen,
das später in solchen Momenten wieder auftaucht:

Wenn jemand anderes spielt.
Wenn jemand anderes gewinnt.
Wenn ich gerade nicht gebraucht werde.

Dann fühlt es sich nicht nur nach „Pause“ an.
Sondern nach:
Ich zähle nicht.

Und vielleicht ist Mitfreude deshalb so schwer.
Nicht, weil wir es dem anderen nicht gönnen.
Sondern weil unser Wert innerlich
mit dem Platz auf dem Feld verknüpft ist.

Aber was, wenn das nicht stimmt?

Was, wenn ich nicht weniger bin,
nur weil ich gerade nicht sichtbar bin?
Was, wenn mein Wert nicht davon abhängt,
ob ich spiele –
sondern davon, dass ich da bin?

Vielleicht ist das eine Form von Stärke,
die wir kaum lernen:

Nicht nur dabei zu sein,
wenn wir im Mittelpunkt stehen.
Sondern auch dann,
wenn wir am Rand sitzen –
und trotzdem verbunden bleiben.

Nicht aus Pflicht.
Sondern aus Mitfreude.

Ich frage mich manchmal,
ob Trainer das bewusst lehren könnten.
Schon bei Kindern.

Nicht nur Technik.
Nicht nur Leistung.
Sondern diese innere Botschaft:

Du bist Teil davon.
Auch wenn du heute nicht spielst.
Du bist nicht weniger wert.

Das wäre eine große Schule fürs Leben.

Wert entsteht nicht durch Minuten auf dem Spielfeld.
Wert entsteht durch Menschsein.

Und mit Sicherheit endet Mitfreude nicht auf dem Spielfeld.
Vielleicht ist das nur der Anfang.

Denn dieses Gefühl –
dass andere „dran sind“ und wir nicht –
begegnet uns überall.

Im Alltag gibt es so viele kleine Situationen,
in denen etwas in uns eng wird.

Wenn das Team unseres Kindes verliert
und wir nur den Schmerz sehen –
was wäre, wenn wir für einen Moment
auch die Freude der anderen Eltern spüren könnten?

Nicht gegen unser Kind.
Sondern für das Leben, das sich gerade freut.

Vielleicht könnten wir so
unseren Kindern den Druck nehmen.
Vielleicht würde es leichter für sie.
Mehr Spiel.
Weniger Ernst.

Mitfreude im eigenen Kreis zu empfinden
ist schon eine hohe Kunst.

Wie wäre es,
wenn wir sie sogar für völlig fremde Menschen fühlen könnten?

Wie viel friedlicher würde es in uns werden,
wenn wir auch in solchen Momenten
Mitfreude zulassen könnten?

Im Flugzeug.

Wenn wir den schlechteren Platz bekommen.
Und das Kind am Fenster
zum ersten Mal staunend hinausschaut.

Hand aufs Herz –
schauen wir selbst überhaupt noch hinaus?

Vielleicht könnten wir uns
einfach mitfreuen.

Oder im Restaurant.

Der Tisch, den wir immer wollen,
ist schon vergeben.

Und statt Ärger …
sehen wir vielleicht ein junges Paar,
das gerade etwas feiert.

Und wir lassen es ihnen.
Wir freuen uns mit.

Oder nebenan im Garten.

Kinder lachen. Laut. Wild.
Und etwas in uns will genervt sein.

Was wäre, wenn wir uns erinnern würden:
So klang Leben früher.

Vielleicht ist das der kleine Shift:
Weniger Mangel.
Mehr Wärme.

Mehr Weite in uns.

Denn egal wo —
und egal für wen —
Mitfreude macht uns leicht.

Sie nimmt Druck.
Sie nimmt Vergleich.
Sie nimmt dieses enge Ziehen aus der Brust.

Und manchmal erfüllt sie unseren Körper
mit genau der Ruhe,
nach der wir uns so oft sehnen.

Nicht, weil sich die Situation verändert hat.
Sondern weil sich unsere Perspektive verändert hat.

Gleiche Situation.
Neue Perspektive.

LUMA – it begins in you.

Zurück
Zurück

LIBERTAD

Weiter
Weiter

JOY FOR OTHERS