AKZEPTANZ

In einer Welt, die auf höher, weiter, schneller ausgerichtet ist,
haben Phasen der Stagnation oder des Rückschritts kaum Platz.
Und doch gehören sie dazu.

Zwei Schritte vor, einen zurück.
So bewegt sich Leben.

Kein Baum wächst ununterbrochen.
Es gibt nicht ohne Grund Herbst und Winter.

Warum wir trotz allem oft unzufrieden sind

Viele von uns leben in Sicherheit.
In Wohlstand.
Mit Möglichkeiten, die frühere Generationen nicht hatten.

Und doch fühlt es sich nicht immer nach mehr an.

Manchmal frage ich mich, warum gerade dort,
wo Menschen nach objektiven Kriterien ein komfortables
und weitgehend unbeschwertes Leben führen,
das Leiden im Alltag oft so präsent ist.

In unserer Welt sind wir von hohen Erwartungen geprägt.
Alles soll „richtig“ laufen.
Wir haben Ansprüche – an andere und an uns selbst.

Das Ergebnis: Frust.
Unzufriedenheit.
Innerer Widerstand.

Ein anderer Umgang mit dem, was ist

Ich erinnere mich an meine Zeit auf den Philippinen,
als ich in einem kleinen, entlegenen Inselresort eng mit vielen Einheimischen zusammenarbeitete.

Die Rezeptionistin und ich standen uns nahe.
Sie interessierte sich für meine Welt – und ich mich für ihre.

Einmal fragte sie mich, warum Europäer so wenig lächeln
und oft traurig wirken – selbst im Urlaub.

Ich fragte sie, ob sie auch lächelt,
wenn sie schlecht gelaunt ist.
Sie sagte: nein.

Ich erwiderte:
„Aber du lächelst doch immer.
Bist du nie schlecht gelaunt?“

Sie antwortete:
„Warum sollte ich?“

Ich: „Zum Beispiel, wenn du keine Lust hast zu arbeiten.“
Sie: „Aber ich mag meinen Job.“

So einfach. So klar.

Ich hatte dort sehr oft das Gefühl,
dass Menschen mit wenig sehr zufrieden und glücklich sein können.
Vielleicht, weil sie stärker in Akzeptanz leben.

Ob viele Gäste oder wenige.
Regenzeit oder Hauptsaison.
Ob das wöchentliche Versorgungsschiff aus Manila kommt – oder nicht.

Es ist, wie es ist.
Und dann wird damit umgegangen.

Ohne die Erwartung,
dass alles perfekt laufen muss.

Die Frage, die wir uns stellen dürfen

Liegt es daran,
dass unser Komfort unsere Toleranz
für Unangenehmes verringert hat?

Sind wir so sehr daran gewöhnt,
dass alles schnell verfügbar ist
und Probleme sofort lösbar sind?

Verlernen wir vielleicht,
Gegenwind bewusst zu spüren,
weil wir dazu tendieren, uns sofort in Ablenkung zu flüchten?

Verlernen wir, ihn anzunehmen
und aus dieser Akzeptanz heraus klar zu handeln?

Der Wendepunkt: Widerstand oder Akzeptanz

Was wäre, wenn wir schwierige Phasen
nicht als Störung betrachten würden,
sondern als Teil eines Prozesses,
der uns formt?

Das Leben stellt uns Hindernisse in den Weg. Jedem von uns.

Und genau hier entsteht eine Wahl:
Widerstand – oder Akzeptanz.

Energie folgt deiner Haltung

Widerstand raubt uns Energie.
Genau die Energie,
die wir eigentlich brauchen,
um etwas zu verändern.

Akzeptanz hingegen setzt Energie frei.

Sie sagt nicht, dass alles gut ist.
Sondern:

Es ist, wie es ist.
Und jetzt übernehme ich Verantwortung
und entscheide selbst,
was ich daraus mache.

Wenn wir aufhören,
gegen das Leben zu kämpfen,
entsteht Raum.

Raum für Klarheit.
Raum für Handlung.

Und genau dort beginnt Wachstum.

Warum es uns so schwerfällt

Vielleicht verlieren wir,
weil wir so viele Möglichkeiten haben,
Unbehagen zu vermeiden,
auch die Fähigkeit, damit umzugehen.

Wir werden nicht schwächer durch Probleme –
sondern durch die ständige Vermeidung.

Wir lenken uns ab,
anstatt uns auseinanderzusetzen.

Alles, was wir wegdrücken,
kommt mit verstärkter Kraft zurück –
wie ein Pendel, das wir von uns wegstoßen.

Und so entsteht eine geringe Frustrationstoleranz.
Auch kleine Dinge bringen uns aus dem Gleichgewicht.

Ehrlichkeit und Präsenz

Vielleicht beginnt Akzeptanz genau hier:
Im Moment.

Nicht im Weglaufen.
Sondern im ehrlichen Hinschauen.

Ehrlichkeit bedeutet, zu bleiben.
Bei dem, was ist.

Und genau dort entsteht Verantwortung.

Nicht für alles, was passiert.
Aber für das, was du daraus machst.

Vielleicht ist das der Weg zurück:
Raus aus der Komfortzone.
Zurück in die Wirklichkeit.

Mehr Präsenz.
Weniger Kampf.
Weniger Leid.

Luma – it begins in you.

 

Mini-Übung
Beobachte die kleinen Dinge im Alltag, die dich stören.
Ein Stau, eine kleine Ungerechtigkeit, das Wetter, ein Kommentar …
Halte kurz inne.
Atme einmal bewusst ein und aus.
Und sage innerlich:
„Es ist gerade so, wie es ist.“
Mehr nicht.

Reflexionsfrage
Wo in deinem Leben kämpfst du noch gegen etwas,
das du längst akzeptieren könntest?

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WIRKSAMKEIT